Evangelischer Arbeitskreis der CDU Sachsen

Populismus und Religionsfreiheit

Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft

Am 4. Juni 2026 lud der Evangelische Arbeitskreis (EAK) Sachsen nach Klosterbuch bei Leisnig zur Veranstaltung „Populismus und Religionsfreiheit – Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft“ ein. 

Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Mitteldeutschland, Christoph Stolte, diskutierten die Teilnehmenden über die Bedeutung der Religionsfreiheit, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und die Rolle von Kirche und Diakonie in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft.

Der Landesvorsitzende des EAK Sachsen, Lars Rohwer MdB, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Gäste sowie Superintendent Dr. Petry, der mit einer Andacht in den Abend einstimmte. Ausgehend von der Tageslosung aus 5. Mose 30,9 und dem Lehrtext aus 1. Thessalonicher 4,6 erinnerte er daran, dass christlicher Glaube Ermutigung und Orientierung zugleich ist – gerade auch für den respektvollen Umgang miteinander in herausfordernden Zeiten.

Im Anschluss stellte Lars Rohwer den Referenten des Abends vor. Christoph Stolte gliederte seinen Vortrag in drei Themenbereiche: die Grundlagen der Religionsfreiheit in Deutschland, populistische Angriffe auf Kirchen und Wohlfahrtsverbände sowie die Frage, welche Spielregeln für ein gelingendes gesellschaftliches Miteinander notwendig sind.

Zu Beginn erläuterte Stolte die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Religionsfreiheit. Artikel 4 des Grundgesetzes garantiere die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit und sei eng mit dem Schutz der Menschenwürde verbunden. Diese Regelungen seien vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Nationalsozialismus entstanden und gewährleisteten die freie und ungestörte Religionsausübung. Zugleich machte Stolte deutlich, dass Religionsfreiheit stets innerhalb der Grenzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gelte.

Ausführlich ging er auf die besondere Stellung der Religionsgemeinschaften in Deutschland ein. Die Kirchen verfügen als Körperschaften des öffentlichen Rechts über verfassungsrechtlich garantierte Rechte und übernehmen zugleich wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Stolte erinnerte daran, dass Religionsfreiheit nicht nur das Recht umfasst, einen Glauben auszuüben, sondern auch die Möglichkeit, Menschen in besonderen Lebenssituationen seelsorgerlich zu begleiten. Krankenhaus-, Gefängnis- oder Notfallseelsorge seien Ausdruck dieses verfassungsrechtlich geschützten Auftrags und stünden allen Menschen offen – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Wie wichtig diese Angebote für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sind, verdeutlichte Stolte anhand konkreter Beispiele. Nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt habe ein ökumenischer Gottesdienst vielen Menschen Raum für Trauer, Trost und Gemeinschaft gegeben. Auch die Arbeit der Bahnhofsmission zeige, dass Kirchen dort präsent seien, wo Menschen Unterstützung benötigen. Kirche sei deshalb nicht nur Glaubensgemeinschaft, sondern übernehme Verantwortung für die Gesellschaft insgesamt.

Im zweiten Teil seines Vortrags setzte sich Stolte mit Angriffen auf Kirchen und Wohlfahrtsverbände auseinander. Er verwies auf politische Forderungen, die Kirchensteuer abzuschaffen, kirchliche Einrichtungen zurückzudrängen oder den gesellschaftlichen Beitrag von Kirche und Diakonie grundsätzlich infrage zu stellen. 

Dabei machte Stolte deutlich, dass Angriffe auf Religionsfreiheit und religiöse Akteure nicht ausschließlich von einer politischen Seite kämen. Als Beispiel nannte er aus aktuellem Anlass wiederholte Angriffe auf Einrichtungen einer freikirchlichen Gemeinde in Leipzig. Religionsfreiheit müsse für alle Religionsgemeinschaften gleichermaßen gelten und dürfe nicht von politischen Sympathien abhängig gemacht werden.

Im anschließenden Gespräch standen die Fragen im Mittelpunkt, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt und der Dialog zwischen unterschiedlichen Gruppen wieder belebt werden kann. Stolte warb dafür, authentisch, werteorientiert und dialogbereit zu bleiben. Demokratie lebe vom respektvollen Austausch unterschiedlicher Überzeugungen. Dazu gehöre auch die Bereitschaft, andere Sichtweisen auszuhalten und miteinander im Gespräch zu bleiben.

Besonders eindrücklich war seine Beobachtung, dass viele Menschen auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft nach Orten der Orientierung, Gemeinschaft und Sinnstiftung suchen. Als Beispiele wurden der gesellschaftliche Einsatz für den Wiederaufbau der abgebrannten Kirche in Großröhrsdorf sowie zahlreiche Initiativen in Sachsen-Anhalt und Thüringen zum Erhalt kirchlicher Traditionen und des Kirchengeläuts angebracht. Dies zeige, dass Kirchen für viele Menschen weit mehr seien als historische Gebäude – sie stifteten Identität, Heimat und Zusammenhalt.

Für den EAK Sachsen hat die Veranstaltung deutlich gemacht: Religionsfreiheit ist weit mehr als ein individuelles Grundrecht. Sie gehört zu den tragenden Säulen unserer freiheitlichen Demokratie und ist Voraussetzung für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben. Der Staat schützt die Freiheit des Glaubens, darf aber nicht darüber entscheiden, was „richtiger“ oder „echter“ Glaube ist. Wo Politik oder gesellschaftliche Gruppen beginnen, Glauben nach ideologischen Maßstäben zu bewerten, gerät ein zentrales Freiheitsrecht unter Druck.

Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung braucht es deshalb Orte der Begegnung, des Zuhörens und des respektvollen Austauschs. Kirchen und Religionsgemeinschaften leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Als EAK Sachsen werben wir für Weitherzigkeit, für die Achtung der Menschenwürde und für eine Kultur des Dialogs. Die Freiheit des Glaubens und die Gleichwertigkeit aller Menschen sind keine verhandelbaren Größen, sondern unverzichtbare Grundlagen unseres demokratischen Gemeinwesens.